Writing by J.K. Rowling

Ilvermorny-Schule für Hexerei und Zauberei

By J.K. Rowling

Die große magische Schule Nordamerikas wurde im siebzehnten Jahrhundert gegründet. Sie thront auf dem höchsten Gipfel des Mount Greylock und verbirgt sich mittels einer Vielzahl mächtiger Zauber vor neugierigen nicht-magischen Blicken, die sich manchmal als nebliger Wolkenkranz manifestieren.

Anfänge in Irland

Isolt Sayre wurde um das Jahr 1603 herum geboren und verbrachte ihre früheste Kindheit im Tal von Coomloughra in der irischen Grafschaft Kerry. Sie stammte von zwei reinblütigen Zaubererfamilien ab.

Ihr Vater, William Sayre, war ein direkter Nachfahre der legendären irischen Hexe Morrigan, deren Animagusgestalt eine Krähe war. William gab seiner Tochter den Spitznamen "Morrigan", weil sie seit ihrer Kindheit eine große Affinität zu allen natürlichen Dingen zeigte. Ihre früheste Kindheit verlief idyllisch, mit Eltern, die sie liebten, und die ihren Muggelnachbarn diskret halfen, wann immer es nötig war, indem sie magische Heilmittel für Mensch und Vieh herstellten.

Als sie fünf Jahre alt war, verlor sie ihre Eltern jedoch bei einem brutalen Angriff auf ihr Zuhause. Isolt wurde von der Schwester ihrer Mutter, Gormlaith Gaunt, aus den Flammen "gerettet". Gormlaith hatte sich schon vor Jahren von ihrer Schwester entfremdet. Sie brachte das Kind in das benachbarte Tal Coomcallee, das man auch "Hag's Glen" nannte, und zog es dort auf.

Als Isolt heranwuchs, wurde ihr klar, dass ihre vermeintliche Retterin in Wahrheit ihre Geiselnehmerin und die Mörderin ihrer Eltern war. Die labile und grausame Gormlaith war eine fanatische Anhängerin der Ideologie des reinen Blutes und glaubte, dass die Hilfsbereitschaft ihrer Schwester ihren Muggelnachbarn gegenüber einen schlechten Einfluss auf Isolt hatte, denn nichts fürchtete sie mehr, als dass das Mädchen sich mit einem nicht-magischen Jungen einlassen könnte. Nur indem sie sie ihren Eltern raubte, glaubte Gormlaith, könne die Tochter ihrer Schwester wieder auf den "rechten Weg" gebracht werden: Aufgezogen in dem Glauben, dass sie sich als Nachfahrin von Morrigan und Salazar Slytherin ausschließlich mit Reinblütern einlassen dürfe.

Gormlaith wollte für Isolt ein Vorbild sein und zwang das Kind, dabei zuzusehen, wenn sie jeden Muggel und jedes Tier verhexte, der oder das sich zu nahe an ihr Häuschen wagte. Die Dorfgemeinde lernte schnell, dass man sich von Gormlaiths Haus besser fernhielt, und von da an bestand der einzige Kontakt zwischen ihr und den Muggeln, die einmal ihre Freunde gewesen waren, darin, dass die Jungen aus dem Dorf sie mit Steinen bewarfen, wenn sie sich zum Spielen in den Garten wagte.

Gormlaith weigerte sich, Isolt nach Hogwarts gehen zu lassen, als der Brief schließlich eintraf. Sie war der Meinung, dass Isolt zuhause mehr lernen könnte als in einer gefährlichen gleichmacherischen Einrichtung, in der es vor Schlammblütern nur so wimmelte. Gormlaith selbst hatte Hogwarts hingegen besucht und sie erzählte Isolt viele Geschichten über die Schule. Hauptsächlich tat sie dies, um die Schule in einem möglichst schlechten Licht erscheinen zu lassen, einem Ort, an dem sich Salazar Slytherins Träume von einer blutreinen Zaubererschaft nicht erfüllt hatten. Für ihre Nichte jedoch, die isoliert und misshandelt von einer Tante lebte, die sie für mindestens halb wahnsinnig hielt, wurde Hogwarts zu einem paradiesischen Sehnsuchtsort, von dem sie ihr ganze Jugend hindurch träumte.

Zwölf Jahre lang erzwang Gormlaith Isolts Kooperation durch machtvolle dunkle Magie und hielt sie in der Isolation. Schließlich hatte die junge Frau genügend Fähigkeiten und Mut entwickelt, um zu fliehen. Sie stahl den Zauberstab ihrer Tante, denn diese hatte ihr nie gestattet, einen eigenen zu besitzen. Der einzige andere Gegenstand, den Isolt noch mitnahm, war eine goldene Brosche in der Form eines Gordischen Knotens, die einst ihrer Mutter gehört hatte. Isolt floh daraufhin aus dem Land.

In ständiger Furcht vor Gormlaiths Rache und ihrem ungeheuren Talent für das Aufspüren von Menschen ging Isolt zuerst nach England, aber es dauerte nicht lange, bis Gormlaith ihr auf den Fersen war. Entschlossen, sich so gut zu verstecken, dass ihre Adoptivmutter sie niemals finden würde, schnitt sich Isolt ihr Haar ab. Sie schlüpfte in die Rolle eines Muggeljungen namens Elias Story und ging im Jahr 1620 an Bord der Mayflower, um in die Neue Welt aufzubrechen.

Isolt kam zusammen mit den ersten Muggelpionieren in Amerika an (die amerikanische Zauberergemeinschaft bezeichnet die Muggel als "No-Majs", was sich von "No Magic" herleitet). Kurz nach ihrer Ankunft setzte sie sich in die umliegenden Berge ab, ihre ehemaligen Schiffskameraden vermuteten, dass "Elias Story", wie so viele andere, in diesem harten Winter gestorben war. Isolt verließ die neue Kolonie teilweise aus Angst davor, dass Gormlaith sie aufspüren könnte, aber auch, weil ihr während der Überfahrt auf der Mayflower klar geworden war, dass eine Hexe unter den Puritanern nur wenige Freunde finden würde.

Isolt war nun ganz allein in einem fremden, rauen Land und, zumindest soweit sie wusste, die einzige Hexe im Umkreis von Hunderten wenn nicht gar Tausenden von Meilen – ihre einseitige Ausbildung bei Gormlaith hatte keinerlei Informationen über die magische Gemeinschaft der amerikanischen Ureinwohner beinhaltet. Nach einigen Wochen, die sie allein in den Bergen verbracht hatte, machte sie jedoch die Bekanntschaft zweier magischer Wesen, von deren Existenz sie bisher nichts gewusst hatte.

Der Hintertück ist ein nachtaktiver Waldgeist, der mit Vorliebe Jagd auf menschliche Kreaturen macht. Wie der Name schon andeutet, ist er ein hervorragender Lauerjäger und kann seine Gestalt so anpassen, dass er sich hinter nahezu jedem beliebigen Objekt verbergen kann, sei es vor seinen Fressfeinden oder seinen Opfern. Die No-Majs ahnten schon lange von seiner Existenz, aber sie hatten gegen seine Kräfte keine Chance. Nur eine Hexe oder ein Zauberer kann den Angriff eines Hintertücks überleben.

Auch der Pukwudgie ist in Amerika beheimatet, es handelt sich um eine kleinwüchsige, graugesichtige Kreatur mit großen Ohren, die entfernt mit dem Europäischen Kobold verwandt ist. Er legt großen Wert auf Unabhängigkeit, gilt als gerissen, ist kein ausgewiesener Menschenfreund (weder der magischen noch der nicht-magischen Vertreter) und besitzt seine ganz eigene, machtvolle Magie. Pukwudgies jagen mit todbringenden giftigen Pfeilen und haben großes Vergnügen daran, Menschen Streiche zu spielen.

Die beiden Kreaturen waren sich im Wald begegnet und der Hintertück, ein besonders großes und starkes Exemplar, konnte den jungen und noch unerfahrenen Pukwudgie überwältigen. Er schickte sich gerade an, ihm die Eingeweide herauszureißen, als Isolt ihm einen Fluch entgegenschleuderte und ihn so zum Rückzug zwang. Ohne zu wissen, dass der Pukwudgie auch für Menschen extrem gefährlich war, nahm Isolt ihn mit zu ihrer einfachen Unterkunft und pflegte ihn wieder gesund.

Der Pukwudgie erklärte nun, er müsse ihr dienen, bis er eine Gelegenheit bekomme, sein Schuld zu begleichen. Er betrachtete es als ungeheure Demütigung, in der Schuld einer jungen Hexe zu stehen, die dumm genug war, allein in einem fremden Land umherzuwandern, wo sie jederzeit von Pukwudgies oder Hintertücken angegriffen werden könnte. So waren ihre Tage von nun an erfüllt vom Gemurre des Pukwudgies, der immer dicht hinter ihr hertrottete.

Trotz der Undankbarkeit des Pukwudgies fand Isolt ihn amüsant und war froh über seine Gesellschaft. Mit der Zeit entwickelte sich eine Freundschaft zwischen ihnen, die in der Geschichte ihrer jeweiligen Spezies wohl nahezu einzigartig ist. Der Pukwudgie weigerte sich standhaft, seinen wahren Namen preiszugeben – bei seinem Volk galt dies als Tabu – also nannte ihn Isolt "William", nach ihrem Vater.

Die gehörnte Schlange

William begann damit, Isolt mit den magischen Kreaturen vertraut zu machen, die er kannte. Sie unternahmen gemeinsame Streifzüge, um die froschköpfigen Hodags bei der Jagd zu beobachten, sie kämpften gegen einen drachenartigen Snallygaster und erfreuten sich an Wampus-Kätzchen, die im Morgengrauen umhertollten.

Am meisten faszinierte Isolt jedoch die große gehörnte Flussschlange, die in einem nahegelegenen Bach hauste und auf deren Stirn ein Edelstein funkelte. Sogar ihr Pukwudgie-Begleiter hatte Angst vor diesem Ungeheuer, aber die gehörnte Schlange schien zu seinem maßlosen Erstaunen gewisse Sympathien für Isolt zu hegen. Noch alarmierender für William war die Tatsache, dass Isolt behauptete, zu verstehen, was die gehörnte Schlange zu ihr sagte.

Isolt gewöhnte sich an, nicht mehr mit William über ihr seltsames Gefühl der Wesensverwandtschaft mit der Schlange zu sprechen, noch sagte sie ihm etwas davon, dass sie ihr scheinbar etwas mitteilen wollte. Sie besuchte den Fluss nun immer allein und sagte dem Pukwudgie nicht, wo sie gewesen war. Die Botschaft der Schlange war immer dieselbe: "Bis ich nicht Teil deiner Familie bin, ist deine Familie verdammt."

Isolt aber hatte keine Familie, wenn man einmal von ihrer verrückten Tante Gormlaith in Irland absah. Sie konnte sich keinen Reim auf die kryptischen Worte der gehörnten Schlange machen, sie war sich noch nicht einmal sicher, ob sie sich die Stimme vielleicht doch nur einbildete.

Webster und Chadwick Boot

Isolt wurde schließlich unter tragischen Umständen wieder mit ihresgleichen vereint. Als sie und William wieder einmal durch die Wälder wanderten, erklang plötzlich ganz in der Nähe ein bedrohliches Geräusch. William befahl Isolt zu bleiben, wo sie war, während er mit gezücktem Giftpfeil zwischen den Bäumen verschwand.

Wie üblich widersetzte sich Isolt seinen Anweisungen. Sie folgte ihm, und als sie schließlich eine kleine Waldlichtung erreichte, bot sich ihr ein grauenhafter Anblick. Derselbe Hintertück, der versucht hatte, William zu töten, hatte sich neue Opfer gesucht und diesmal mit Erfolg: Vor ihm auf dem Boden lagen zwei tote Menschen. Und es kam noch schlimmer: Ganz in der Nähe sah sie zwei schwer verletzte kleine Jungen, die ihres Schicksals harrten, während der Hintertück sich bereit machte, ihre Eltern zu zerreißen.

Der Pukwudgie und Isolt fackelten nicht lange und machten zusammen kurzen Prozess mit dem Hintertück. Scheinbar zufrieden mit ihrem Tagwerk, machte sich der Pukwudgie ungerührt wieder ans Brombeerenpflücken und ignorierte das schwache Stöhnen der Kinder. Als Isolt ihm wütend befahl, ihr dabei zu helfen, die beiden kleinen Jungen nach Hause zu tragen, bekam William einen Tobsuchtsanfall. Die Jungen, sagt er, seien ohnehin so gut wie tot. Es widersprach den Sitten seines Volkes, menschlichen Wesen Beistand zu leisten – mit Ausnahme von Isolt, die ihm dummerweise das Leben gerettet hatte.

Empört über die Kaltschnäuzigkeit des Pukwudgies machte Isolt ihm ein Angebot: Sie würde die Rettung eines der Kinder als Wiedergutmachung seiner Schuld akzeptieren. Die Kinder waren so schwer verletzt, dass sie es nicht wagte, mit ihnen zu apparieren und sie bestand darauf, sie nach Hause zu tragen. Widerwillig erklärte sich der Pukwudgie bereit, den älteren Jungen zu schultern, dessen Name Chadwick war, während Isolt sich seines jüngeren Bruders Webster annahm.

Als sie bei der Hütte ankamen, ließ die erzürnte Isolt William wissen, dass sie seine Hilfe nun nicht länger brauchte. Der Pukwudgie starrte sie wütend an, dann verschwand er.

Die Boot-Brüder und James Steward

Isolt hatte ihren einzigen Freund für zwei kleine Jungs geopfert, die vielleicht nicht überleben würden. Glücklicherweise aber erholten sie sich wieder und zu ihrem Erstaunen und ihrer großen Freude zeigte es sich, dass sie magische Fähigkeiten besaßen.

Die Zauberereltern von Chadwick und Webster hatten diese auf der Suche nach faszinierenden Abenteuern nach Amerika gebracht. Das tragische Ende kam, als die Familie durch den Wald wanderte und dabei den Hintertück aufstörte. Da er diese Kreatur nicht kannte, und sie für einen gewöhnlichen oder Garten-Irrwicht hielt, machte Mr. Boot sich über ihn lustig – mit den schrecklichen Konsequenzen, deren Zeuge Isolt wurde.

Die Jungen waren in den ersten Wochen so krank, dass Isolt es nicht wagte, sie allein zu lassen. Es bedrückte sie, dass sie in der Eile, die Kinder zu retten, keine Zeit mehr gefunden hatte, ihren Eltern ein anständiges Grab zu bereiten. Als Chadwick und Webster endlich wieder so kräftig waren, dass man sie für ein paar Stunden allein lassen konnte, kehrte sie deswegen in den Wald zurück. Sie wollte ihr Versäumnis nachholen und den Toten ein Grab schaffen, das die beiden Jungen später vielleicht einmal besuchen konnten.

Als sie an der Waldlichtung ankam, traf sie dort zu ihrer Überraschung auf einen jungen Mann namens James Steward. Er kam, wie sie selbst, aus der Plymouth-Siedlung. Er hatte die Familie vermisst, mit der er sich auf der Reise nach Amerika angefreundet hatte, und war in die Wälder aufgebrochen, um nach ihnen zu suchen.

Während Isolt ihn heimlich beobachtete, machte James die Gräber, die er mit bloßen Händen ausgehoben hatte, kenntlich. Dann hob er die beiden zerbrochenen Zauberstäbe auf, die er neben den Boot-Eltern gefunden hatte. Skeptisch beäugte er den funkelnden Kern aus Drachenherzfaser, der aus Mr. Boots Zauberstab hervorragte, dann begann er ihn willkürlich zu schwenken. Es passierte, was unweigerlich passieren muss, wenn ein No-Maj einen Zauberstab anfasst: er rebellierte. James wurde rückwärts über die Lichtung geschleudert, prallte gegen einen Baum und wurde bewusstlos.

Er erwachte in einem kleinen Unterstand aus Zweigen und Tierhäuten, wo ihn Isolt versorgte. Auf so engen Raum war es unmöglich, ihre magischen Fähigkeiten vor ihm geheim zu halten, vor allem, wenn sie Heiltränke für die Kinder zubereitete oder mit ihrem Zauberstab auf die Jagd ging. Isolt hatte eigentlich vor, James mit einem Gedächtniszauber zu belegen, sobald er sich von seiner Gehirnerschütterung erholt hatte, und ihn dann zurück zur Kolonie nach Plymouth zu schicken.

In der Zwischenzeit genoss sie es, wieder einen erwachsenen Gesprächspartner zu haben, vor allem, weil James von Anfang an vernarrt in die Boot-Brüder war und ihr dabei half, sie zu beschäftigen, während sie sich von ihren magischen Verletzungen erholten. James, der in England als Steinmetz gearbeitet hatte, half Isolt sogar dabei, ein Steinhaus auf dem Gipfel des Greylock zu errichten, indem er einen Bauplan für sie anfertigte, den sie im Laufe eines einzigen Nachmittags in die Tat umsetzte. Isolt taufte ihr neues Heim "Ilvermorny", nach dem Haus, in dem sie geboren war und das Gormlaith zerstört hatte.

Jeden Tag schwor sich Isolt aufs Neue, James bald mit einem Gedächtniszauber zu belegen, und jeden Tag schien zugleich seine Angst vor ihren magischen Kräften weiter zu schwinden. Schließlich schien es das Einfachste zu sein, zuzugeben, dass sie sich ineinander verliebt hatten und zu heiraten.

Vier Häuser

Isolt und James betrachteten die Boot-Brüder als ihre Adoptivsöhne. Isolt erzählte ihnen die Geschichten über Hogwarts, die sie von Gormlaith gehört hatte. Immer wieder fragten sie Isolt, warum sie sie nicht zurück nach Irland bringen könne, wo sie dann auf ihren Brief warten würden. Isolt wollten ihnen keine Angst mit der Geschichte über Gormlaith einjagen. Stattdessen versprach sie ihnen, dass sie ihnen zu ihrem elften Geburtstag einen eigenen Zauberstab schenken würde (die ihrer Eltern waren irreparabel beschädigt) und dass sie genau in diesem Haus eine eigene magische Schule eröffnen würden.

Diese Idee beflügelte die Fantasie von Chadwick und Webster. Die Vorstellungen der Jungen von einer magischen Schule basierten nahezu vollständig auf den Erzählungen über Hogwarts, sie bestanden also darauf, dass es auch hier vier Häuser geben müsste. Die Idee, die Häuser nach ihnen selbst, also den Gründern zu benennen, wurde schnell wieder verworfen, denn Webster ahnte, dass ein Haus namens Webster Boot wohl kaum eine Chance hätte, jemals irgendeinen Preis zu gewinnen. Stattdessen entschieden sie, die Häuser nach ihrer jeweils liebsten magischen Kreatur zu benennen. Für Chadwick, einen intelligenten, aber auch sehr temperamentvollen Jungen, war das der Donnervogel, der im Flug Stürme erzeugen kann. Der streitlustige, aber absolut loyale Webster entschied sich für den Wampus, eine pantherähnliche magische Kreatur, die schnell, stark und nahezu unmöglich zu töten ist. Für Isolt war es selbstverständlich die gehörnte Schlange, die sie immer noch besuchte und mit der sie sich so seltsam wesensverwandt fühlte.

Als man James nach seiner liebsten Kreatur fagte, wusste er nichts zu antworten. Der einzige No-Maj der Familie wusste wenig mit den magischen Wesen anzufangen, mit denen die anderen schon so vertraut waren. Schließlich entschied er sich für den Pukwudgie, weil ihn die Geschichten, die seine Frau ihm über den griesgrämigen William erzählte, immer zum Lachen brachten.

So entstanden die vier Häuser von Ilvermorny und obwohl die vier Gründer es noch nicht ahnten, sollte viel von ihrem eigenen Charakter in die Häuser einfließen, die sie so leichthin benannt hatten.

Der Traum

Chadwicks elfter Geburtstag rückte schnell näher und Isolt zerbrach sich den Kopf darüber, wie sie ihm den versprochenen Zauberstab beschaffen könnte. Soweit sie wusste, war der Zauberstab, den sie Gormlaith gestohlen hatte, der einzige in ganz Amerika. Sie wagte es nicht, ihn zu zerlegen, um mehr über seinen Aufbau herauszufinden und die genaue Untersuchung der Zauberstäbe der Eltern der Jungen brachten ihr als einzige Erkenntnis, dass die Drachenherzfasern und das Einhornhaar im Kern längst verschrumpelt und abgestorben waren.

In der Nacht vor seinem Geburtstag träumte sie, dass sie hinunter zum Fluss ging, um die gehörnte Schlange zu suchen. Die Schlange tauchte aus dem Wasser empor, beugte den Kopf zu ihr herunter und ließ sie einen langen Splitter von ihrem Horn abschaben. Sie erwachte in vollkommener Dunkelheit, stand auf und ging hinunter zum Fluss.

Die gehörnte Schlange wartete dort schon auf sie. Sie neigte den Kopf, genau wie in ihrem Traum, und sie nahm sich einen Splitter von ihrem Horn, dankte ihr und kehrte zurück zum Haus. Dort weckte sie James, dessen Geschick im Umgang mit Stein und Holz ein Segen für das Haus der Familie gewesen war.

Als Chadwick am nächsten Morgen erwachte, fand er sich im Besitz eines Zauberstabs aus Stachelesche mit einem Kern aus Schlangenhorn. Isolt und James war es tatsächlich gelungen, einen Zauberstab von beachtlichem Machtpotenzial zu erschaffen.

Die Gründung der Ilvermorny-Schule

Als Webster elf Jahre alt wurde, genoss die kleine Schule der Familie bereits ein gewisses Ansehen. Neben zwei magischen Jungen aus dem Stamm der Wampanoag hatten sich auch eine Mutter und zwei ihrer Töchter aus dem Narragansett-Stamm hinzugesellt. Sie alle wollten gern lernen, mit einem Zauberstab umzugehen, im Gegenzug weihte man die Europäer in die magischen Praktiken der Ureinwohner ein. Alle Schüler wurden mit Zauberstäben ausgestattet, die Isolt und James anfertigten. Ihr Beschützerinstinkt befahl Isolt, dass sie das Horn der gehörnten Schlange nur für die Zauberstäbe ihrer beiden Adoptivsöhne benutzen sollte. So lernten sie und James, eine Vielzahl anderer Materialien für den Kern zu verwenden, darunter Haare vom Wampus, Snallygaster-Herzfasern und das Hasenbock-Geweih.

Im Jahr 1634 war die Schule so weit angewachsen, wie Isolt es sich nicht einmal in ihren kühnsten Träumen hätte vorstellen können. Das Haus musste mit jedem neuen Jahr vergrößert werden. Es kamen immer neue Schüler dazu, und obwohl die Schule immer noch klein war, gab es schließlich genügend Kinder, um Websters Traum von internen Haus-Wettbewerben in Erfüllung gehen zu lassen. Da sich der Ruf der Schule bisher jedoch noch nicht über die amerikanischen Ureinwohner und europäischen Siedler aus der näheren Umgebung hinaus ausgebreitet hatte, gab es noch keine Internatsschüler. Die einzigen Menschen, die in Ilvermorny übernachteten, waren Isolt, James, Chadwick, Webster und die Zwillingsschwestern, denen Isolt mittlerweile das Leben geschenkt hatte: Martha, benannt nach James' verstorbener Mutter und Rionach, nach Isolts Mutter.

Gormlaiths Rache

Die glückliche, immer emsig beschäftigte Familie ahnte nicht, dass sich in der Ferne ein Unheil über ihnen zusammenbraute. In der alten Heimat hieß es, dass jemand in Massachusetts eine neue magische Schule gegründet hatte. Gerüchte besagten, die Schulleiterin trüge den Spitznamen "Morrigan", benannt nach der berühmten irischen Hexe. Gormlaith war aber erst überzeugt, dass es sich tatsächlich um Isolt handelte, als sie hörte, dass die Schule "Ilvermorny" hieß. Ihrer Nichte war es also tatsächlich gelungen, unbemerkt nach Amerika zu gelangen, dort nicht nur einen Muggelstämmigen, sondern einen echten Muggel zu heiraten und eine Schule zu eröffnen, in der jeder, dem der Sinn danach stand, ein bisschen Zauberei erlernen konnte.

Gormlaith hatte sich einen neuen Zauberstab bei dem von ihr so verachteten Mr. Ollivander gekauft, um das kostbare Familienerbstück zu ersetzen, das Isolt ihr gestohlen hatte. Um dafür zu sorgen, dass ihre Nichte nichts von ihrem Kommen ahnen würde, bis es zu spät war, imitierte sie Isolt unwissentlich und gab sich auf ihrer Überfahrt nach Amerika an Bord der Bonaventura als Mann aus. In ihrer Boshaftigkeit schreckte sie nicht davor zurück, den Namen von Isolts ermordetem Vater anzunehmen und sich als William Sayre auszugeben. Gormlaith ging an der Küste Virginias an Land und machte sich in aller Heimlichkeit auf den Weg nach Massachusetts, zum Mount Greylock und erreichte den Berg schließlich in einer kalten Winternacht. Sie beschloss, das zweite Ilvermorny in Schutt und Asche zu legen und das Elternpaar zu töten, das ihre Pläne von einer großen reinblütigen Familie zunichte gemacht hatte. Dann wollte sie ihre Großnichten rauben – die letzten Trägerinnen der geheiligten Blutlinie – und mit ihnen nach Hag's Glen zurückkehren.

Beim ersten Anblick des großen Granitgebäudes, das in der Dunkelheit auf dem Gipfel des Mount Greylock emporragte, sandte Gormlaith einen machtvollen Fluch in Richtung des Hauses, der Isolt und James in einen tiefen magischen Schlaf zwang.

Dann stieß sie ein einzelnes, zischendes Wort auf Parsel hervor, der Sprache der Schlangen. Der Zauberstab, der Isolt so viele Jahre treu gedient hatte, erzitterte kurz auf dem Nachttisch, während sie schlief, und verlor dann jede Wirkmächtigkeit. Isolt wusste nicht, dass der Zauberstab einst Salazar Slytherin gehört hatte, einem der Gründer von Hogwarts, und dass er, genau wie James', ein Fragment eines Schlangenhorns enthielt: in diesem Fall das eines Basilisken. Der Zauberstab hatte gelernt, "in Schlaf zu verfallen", wenn man ihm den Befehl dazu gab. Dieses Geheimnis war über die Jahrhunderte an jedes Mitglied der Familie Slytherin weitergegeben worden, das den Zauberstab erbte.

Was Gormlaith nicht wusste, war, dass es noch zwei weitere Bewohner des Hauses gab, die sie nicht in Schlaf versetzt hatte; vom sechzehnjährigen Chadwick und dem vierzehn Jahre alten Webster hatte sie noch nie zuvor gehört. Was sie auch nicht wusste, war, woraus der Kern ihrer Zauberstäbe gemacht war: aus dem Horn einer Flussschlange. Diese Zauberstäbe waren gegen Gormlaiths Fluch auf Parsel immun. Ganz im Gegenteil begann ihr magischer Kern beim Klang der uralten Sprache zu vibrieren. Sie spürten, dass ihren geliebten Meistern Gefahr drohte und stimmten einen tiefen, melodiösen Ton an, der exakt dem Warnruf der gehörnten Schlange glich.

Die beiden Boot-Brüder erwachten und sprangen aus dem Bett. Chadwick warf instinktiv einen Blick aus dem Fenster. Zwischen den Bäumen sah er die Silhouette von Gormlaith Gaunt auf das Haus zuschleichen.

Wie alle Kinder hörte und verstand Chadwick weit mehr, als seine Adoptiveltern sich jemals hätten vorstellen können. Sie mochten geglaubt haben, dass sie ihn vor dem Wissen um die mörderische Gormlaith hatten schützen können, aber sie hatten sich getäuscht. Als kleiner Junge hatte Chadwick zufällig mitgehört, wie Isolt über die Gründe für ihre Flucht aus Irland sprach und weder sie noch James wussten, dass Chadwick von da an in seinen Träumen von der Gestalt einer alten Hexe verfolgt wurde, die zwischen den Bäumen hindurch auf Ilvermorny zuschlich. Nun sah er, dass sein Alptraum zur Realität geworden war.

Chadwick trug Webster auf, ihre Eltern zu warnen, dann tat er das Einzige, was für ihn Sinn zu ergeben schien: Er rannte aus dem Haus, um Gormlaith davon abzuhalten, den Ort zu betreten, an dem seine Familie schlief.

Gormlaith hatte nicht damit gerechnet, auf einen noch minderjährigen Zauberer zu treffen und unterschätzte ihn zuerst. Chadwick parierte ihren Fluch meisterhaft und sie begannen, sich zu duellieren. Nach wenigen Minuten musste sich Gormlaith, die eigentlich viel stärker war als Chadwick, eingestehen, dass der talentierte Junge eine gute Schule durchlaufen hatte. Sogar noch, als sie mit Flüchen auf seinen Kopf zielte, um ihn zu überwältigen und ihn immer weiter in Richtung des Hauses zurückdrängte, stellte sie ihm Fragen nach seiner Herkunft. Sie sagte, es wäre ihr ein Gräuel, ein derart talentiertes Reinblut zu töten.

In der Zwischenzeit versuchte Webster, seine Eltern wachzurütteln, aber der Zauber war so mächtig, dass nicht einmal Gormlaiths Schreie und die Flüche, die das Haus trafen, zu ihnen durchdrangen. Webster gab schließlich auf, eilte die Treppe hinunter und schloss sich dem Duell an, das mittlerweile vor dem Haus tobte.

Gegen zwei Gegner zu kämpfen, machte die Sache nicht eben einfacher für Gormlaith: Zudem verbündeten sich die Zwillingskerne in den Zauberstäben der Boot-Brüder gegen den gemeinsamen Feind und verzehnfachten ihre Kräfte auf diese Weise. Trotz allem war Gormlaiths Magie stark und dunkel genug, um sich schließlich durchsetzen zu können. Das Duell wurde mit jeder Minute erbitterter. Gormlaith lachte immer noch und versprach den Jungen, sie zu verschonen, wenn sie beweisen konnten, dass sie Reinblüter seien. Chadwick und Webster waren fest entschlossen, zu verhindern, dass sie ihre Familie erreichte. Die beiden Brüder wurden Schritt um Schritt ins Haus hinein gedrängt. Die Mauern barsten und die Fenster begannen zu splittern, aber Isolt und James schliefen immer noch, bis die beiden kleinen Mädchen im Geschoss darüber erwachten und vor Angst zu schreien begannen.

Dieser Laut durchdrang schließlich den Fluch, der Isolt und James lähmte. Wut und Magie hatten nichts ausgerichtet, aber die angsterfüllten Schreie ihrer Töchter brachen den Bannfluch, mit dem Gormlaith sie belegt hatte, ein Bannfluch, der, wie Gormlaith selbst, die Macht der Liebe verkannte. Isolt rief James zu, er solle zu den Mädchen gehen; sie selbst griff sich Slytherins Zauberstab und eilte ihren Adoptivsöhnen zu Hilfe.

Erst als sie den Zauberstab hob, um ihre verhasste Tante anzugreifen, merkte sie, dass dieser in Schlaf verfallen und damit völlig nutzlos geworden war. Hämisch grinsend trieb Gormlaith Isolt, Chadwick und Webster die Treppe hinauf, wo sie ihre Großnichten weinen hörte. Schließlich verschaffte sie sich Zutritt zum Schlafzimmer, wo James vor dem Bettchen seiner Töchter stand, bereit, sie mit seinem Leben zu verteidigen. Isolt, besinnungslos vor Angst und sicher, dass dies das Ende war, schrie nach ihrem ermordeten Vater.

Ein ohrenbetäubendes Geklapper erklang, und das ins Zimmer fallende Mondlicht verdunkelte sich, als William der Pukwudgie auf dem Fenstersims erschien. Bevor Gormlaith wusste, wie ihr geschah, hatte eine vergiftete Pfeilspitze ihr Herz durchbohrt. Ihr entfuhr ein markerschütternder Schrei, der noch Meilen im Umkreis zu hören war. Die alte Hexe hatte sich mit allen Spielarten der dunklen Magie gerüstet, um unbesiegbar zu werden und all diese Flüche reagierten nun mit dem Gift des Pukwudgies. Sie wurde so hart und spröde wie Kohle, bevor ihr Körper in tausend Stücke zersprang. Der Ollivander-Zauberstab fiel zu Boden und zerbrach: Alles, was von Gormlaith Gaunt übrig blieb, war ein Häufchen rauchender Asche, ein zerbrochenes Stöckchen und eine verkohlte Drachenherzfaser.

William hatte der Familie das Leben gerettet. Als sie ihm danken wollten, herrschte er sie aber nur an: Ihm sei sehr wohl aufgefallen, dass Isolt seinen Namen in den letzten zehn Jahren kein einziges Mal ausgesprochen hatte. Er fände es beleidigend, dass es ihr erst im Angesicht des Todes einfiel, nach ihm zu rufen. Isolt war zu taktvoll, um William darauf hinzuweisen, dass eigentlich nicht er gemeint war. James freute sich, den Pukwudgie endlich kennenzulernen, von dem er schon so viel gehört hatte. Er vergaß, dass Pukwudgies die meisten Menschen hassen, ergriff die Hand des völlig perplexen William und sagte, wie froh er sei, dass er eines der Häuser von Ilvermorny nach ihm benannt habe.

Man glaubt, dass es diese schmeichelhafte Geste war, die Williams Herz schließlich erweichte, denn schon am nächsten Tag zog er mit seiner ganzen Pukwudgie-Familie in das Haus ein und half dabei, die Schäden zu beseitigen, die Gormlaith verursacht hatte – selbstverständlich nicht, ohne sich dabei ununterbrochen zu beschweren. Er verkündete, er sei der Meinung, dass die Zauberer zu dämlich seien, um sich selbst zu beschützen. Also handelte er einen deftigen Vorschuss in Gold aus und arbeitete fortan als eine Mischung aus Hausmeister und Leibwächter an der Schule.

Slytherins Erbe

Slytherins Zauberstab blieb nach Gormlaiths auf Parsel gesprochenen Befehl hin weiterhin unbelebt. Isolt beherrschte die Sprache nicht, aber sie verspürte ohnehin kein Bedürfnis mehr, dieses letzte Relikt ihrer unglücklichen Kindheit zu berühren. Sie und James vergruben ihn außerhalb des Schulgrundstücks.

Innerhalb eines Jahres wuchs an der Stelle, an der sie den Zauberstab begraben hatten, eine ihnen unbekannte Art von Schlangenbaum heran. Er widerstand allen Versuchen, ihn zurückzustutzen oder zu zerstören, aber nach einigen Jahren stellte sich heraus, dass seine Blätter über mächtige Heilkräfte verfügten. Der Baum schien der lebende Beweis dafür zu sein, dass Slytherins Zauberstab genau wie das in alle Winde verstreute Geschlecht der Slytherin sowohl edle als auch verdorbene Früchte hervorzubringen imstande war. Der beste Teil der Familie schien nach Amerika ausgewandert zu sein.

Aufstieg der Schule

Ilvermornys guter Ruf verbreitete sich den folgenden Jahren unaufhaltsam. Aus dem Steinhaus wurde mit der Zeit ein Schloss. Man stellte weitere Lehrer ein, um den wachsenden Schülerzahlen Rechnung zu tragen. Nun schickten Hexen und Zauberer aus ganz Nordamerika ihre Kinder dorthin und so wurde aus Ilvermorny ein Internat. Im neunzehnten Jahrhundert hatte Ilvermorny das internationale Renommee erworben, das es auch heute noch genießt.

Viele Jahre lang übernahmen Isolt und James gemeinsam die Leitung der Schule und wurden von etlichen Generationen von Schülern ebenso geliebt wie von den Mitgliedern ihrer eigenen Familien.

Chadwick Boot wurde ein vollendeter und weitgereister Zauberer und verfasste der Buchreihe "Chadwicks Zaubersprüche Band 1 bis 7", die in Ilvermorny bis heute zu den Standardlehrwerken zählt. Er heiratete eine mexikanische Heilerin namens Josefina Calderon und die Calderon-Boot-Sippe gehört bis heute zu den prominentesten Zaubererfamilien Amerikas.

Vor der Etablierung des MACUSA (Magischer Kongress der Vereinigten Staaten von Amerika) gab es in der Neuen Welt kaum Institutionen zur Durchsetzung des magischen Rechts. Webster Boot wurde zu dem, was wir heute als freischaffenden Auror bezeichnen würden. Bei der Rückführung eines besonders unangenehmen dunklen Magiers nach London verliebte sich Webster unsterblich in eine junge schottische Hexe, die dort im Zaubereiministerium arbeitete. So kehrte die Boot-Familie wieder in die alte Heimat zurück. Websters Nachkommen sollten in Hogwarts ausgebildet werden.

Martha, der ältere Zwilling von James und Isolt, war eine Squib. Obwohl Martha von ihren Eltern und ihren Adoptivbrüdern innig geliebt wurde, war es schwer für sie, in Ilvermorny aufzuwachsen, ohne selbst über magische Fähigkeiten zu verfügen. Schließlich heiratete sie den nicht-magischen Bruder eines Freundes vom Stamm der Pocomtuc und lebte fortan als No-Maj.

Rionach, die jüngste Tochter von Kitchi und James, unterrichtete in Ilvermorny viele Jahre lang Verteidigung gegen die dunklen Künste. Rionach blieb unverheiratet. Ein Gerücht, das von ihrer Familie niemals bestätigt wurde, besagt, dass Rionach, im Gegensatz zu ihrer Schwester Martha, Parsel sprechen konnte und entschlossen war, das Erbe Slytherins auf keinen Fall an die nächste Generation weiterzugeben (der amerikanische Zweig der Familie wusste nicht, dass Gormlaith nicht die letzte der Gaunts war, und dass die Linie in England fortgeführt wurde).

Isolt und James wurden beide über 100 Jahre alt. Sie hatten gesehen, wie aus dem kleinen Steinhaus Ilvermorny ein mächtiges Schloss geworden war, und sie starben in dem Wissen, dass die Schule jetzt so berühmt war, dass sich magische Familien aus ganz Nordamerika darum rissen, ihre Kinder hier ausbilden zu lassen. Sie hatten Personal angestellt, sie hatten Schlafsäle gebaut, sie verbargen die Schule mit schlauen Zaubern vor den Augen der No-Majs: Kurzum, das Mädchen, das immer davon geträumt hatte, in Hogwarts zur Schule zu gehen, hatte dessen nordamerikanisches Pendant erschaffen.

Ilvermorny heute

Angesichts der Tatsache, dass einer der Schulgründer ein No-Maj war, verwundert es kaum, dass Ilvermorny bis heute als eine der liberalsten und am wenigsten elitären magischen Schulen gilt.

Marmorstatuen von Isolt und James flankieren das Eingangstor von Schloss Ilvermorny. Hinter dem Tor liegt ein kreisrunder Raum, der von einer gläsernen Kuppel überdacht wird. In Höhe des ersten Stockwerks verläuft eine hölzerne Galerie rund um den ganzen Raum. Ansonsten ist die Eingangshalle leer, einzige Ausnahme sind vier riesige geschnitzte Holzskulpturen, die die vier Häuser repräsentieren: die gehörnte Schlange, der Panther Wampus, der Donnervogel und der Pukwudgie.

Während der Rest der Schüler von der Galerie aus zusieht, marschieren die neuen Schüler im Gänsemarsch in die Eingangshalle. Sie stellen sich entlang der Wand auf und werden dann, einer nach dem anderen, dazu aufgefordert, sich auf ein Symbol zu stellen, das in die Mitte des Steinbodens eingelassen ist und einen Gordischen Knoten darstellt. In völliger Stille wartet die Schule dann auf die Reaktion der verzauberten Schnitzfiguren. Wenn die gehörnte Schlange den Schüler will, leuchtet der Kristall auf ihrer Stirn auf. Hat der Wampus Interesse an dem Schüler, brüllt er. Der Donnervogel signalisiert seine Zustimmung, indem er mit den Flügeln schlägt und der Pukwudgie hebt seinen Pfeil in die Luft.

Sollte mehr als eine der Figuren signalisieren, dass sie den Schüler in ihr Haus aufnehmen möchte, überlässt man dem Schüler die Entscheidung. Sehr selten kommt es vor – vielleicht einmal in zehn Jahren – dass einem Schüler in allen vier Häusern ein Platz angeboten wird. Seraphina Picquery, von 1920 bis 1928 die Vorsitzende des MACUSA, war die einzige Hexe ihrer Generation, der diese Ehre zuteil wurde, und sie entschied sich für das Haus der gehörnten Schlange.

Manche sagen, dass die Häuser von Ilvermorny in ihrer Gesamtheit die ganze Hexe oder den ganzen Zauberer repräsentieren: Die gehörnte Schlange steht für den Geist, der Wampus für den Körper, der Pukwudgie für das Herz und der Donnervogel für die Seele. Andere sagen, dass die gehörnte Schlange die Gelehrten bevorzugt, der Wampus die Krieger, der Pukwudgie die Heiler und der Donnervogel die Abenteurer.

Die Zuordnungszeremonie ist nicht der einzige größere Unterschied zwischen Hogwarts und Ilvermorny (obwohl die Schulen sich ansonsten in vielen Aspekten ähneln). Hatte man die Schüler einem Haus zugeordnet, wurden sie in eine große Halle geführt, wo sie einen Zauberstab wählten – oder von einem Zauberstab erwählt wurden. Bis zur Aufhebung von Rappaports Gesetz im Jahr 1965, das eine strikte Einhaltung des Geheimhaltungsstatuts verlangte, war es keinem Kind erlaubt, einen Zauberstab zu besitzen, bevor es nach Ilvermorny kam. Darüber hinaus mussten die Zauberstäbe während der Ferien in Ilvermorny verbleiben und erst mit Vollendung des siebzehnten Lebensjahrs war es einer Hexe oder einem Zauberer gestattet, außerhalb des Schulgeländes einen Zauberstab bei sich zu tragen.

Die Umhänge von Ilvermorny sind blau und cranberry-rot. Die Farben sollen Isolt und James ehren: Blau, weil es Isolts Lieblingsfarbe war und weil sie als Kind gern zum Haus Ravenclaw gehört hätte. Cranberry-rot zu Ehren von James, der für sein Leben gern Cranberry-Kuchen aß. Alle Schülerumhänge von Ilvermorny werden mit einem goldenen Gordischen Knoten verschlossen, in Erinnerung an die Brosche, die Isolt in den verkohlten Ruinen des ursprünglichen Ilvermorny-Häuschens gefunden hatte.

Noch bis heute arbeiten eine ganze Reihe von Pukwudgies an der Schule. Allesamt fortwährend schlecht gelaunt, bestehen sie darauf, dass sie hier eigentlich nichts verloren haben; dennoch bleiben sie auf mysteriöse Weise Jahr um Jahr präsent. Unter ihnen ist eine besonders alte Kreatur, die auf den Namen William hört. Er lacht, wenn jemand auf die Idee kommt, er sei der William, der Isolt und James das Leben gerettet hat und weist dann vollkommen zu Recht darauf hin, dass William mittlerweile über 300 Jahre alt wäre. Tatsächlich konnte aber niemals geklärt werden, wie lange Pukwudgies tatsächlich leben. William erlaubt nicht, dass jemand anderes als er selbst die Marmorstatue von Isolt am Eingang der Schule poliert und an ihrem Todestag kann man beobachten, wie er Butterblumen auf ihr Grab legt. Sollte jemand allerdings so taktlos sein, dies in seiner Gegenwart zu erwähnen, kann ihn das in besonders üble Laune versetzen.

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